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Absturz

Titel: Absturz
Autor: callisto24
Beta: aika135 Vielen lieben Dank! *hugs*
Fandom: 24
Charaktere: Jack, Tony
Kategorie: Drama
Thema: nach Season 3
Rating: R
Warnungen: sehr traurig
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc. ....
Archivieren: immer gerne!

* * * * *

Seine Augen erschienen ungewohnt groß und dunkel, die Haut in erschreckender Weise bleich.
“Wie ist es passiert, Tony? Sag es mir!”
“Nina. Sie..., als sie versuchte zu fliehen. Ihr Blut... . Es muss in meine Wunde eingedrungen sein oder vielleicht auch in die Augen. Ich weiß es nicht. Niemand weiß es. Und es spielt auch keine Rolle mehr. Es ist zu Ende.”
Jack trat auf seinen Freund zu. “Das ist es nicht, das ist es noch lange nicht.”
“Wie kannst du das sagen, Jack?”
Tony wendete sich ab, unfähig Jacks Blick noch länger zu ertragen. Er fühlte sich schmutzig, verloren, verflucht, nicht mehr in der Lage dieses Leben länger zu ertragen. Dunkel und grausam schien es sich von nun an vor ihm auszubreiten.
Jack beobachtete die gebeugte Gestalt, verfolgte mit den Augen, wie der Freund beinahe in Zeitlupe in sich zusammensackte. Es kam ihm vor, als spürte er den Schmerz des anderen mit einer Intensität, die seiner eigenen, tief vergrabenen Verzweiflung in nichts nachstand. Es war der Schreck, die Erschütterung des ersten Momentes, die selbst den stärksten Charakter in seinen Grundfesten erbeben lassen konnte, eine Panik, die mit nichts zu vergleichen war, die niemand sich vorstellen konnte, der ihr nie hatte gegenübertreten müssen.
Jack erinnerte sich mit erschreckender Klarheit an jede einzelne Empfindung dieser ersten Minuten, Stunden, Tage, an diesen Sturz ins Bodenlose, diesen endlosen Fall, der nicht aufgehalten werden konnte, der nicht aufgehalten worden war. Er spürte ihn noch immer.
Aber hier ging es nicht um ihn, es ging um Tony, der ein Leben hatte, eine Liebe, Hoffnung. Tony hatte keine Schuld auf sich geladen, war nicht bereits seit Jahren verdammt. In Tonys Leben hatte alles stets eine Bedeutung, denn er achtete es als Geschenk und würde es nicht wegwerfen an irgendeine Droge. Dass er, Jack, es nicht besser verdient hatte, war ihm von Anfang an klar gewesen. Die Infektion war für ihn nicht mehr als die unvermeidliche Konsequenz einer Existenz, die ihren Weg an der scharfen Kante eines Abgrundes entlang suchte, die dabei strauchelte und fiel, die sich mit halsbrecherischen Kapriolen immer wieder empor hangelte, trotz des tief sitzenden Verlangens, endlich dem Ende entgegensehen zu dürfen. Behutsam legte Jack seine Hand auf die Schulter der bebenden Gestalt, die mit gebeugtem Rücken zu ihm stand, verloren inmitten des Raumes.
Tony zuckte zusammen. “Fass mich nicht an, Jack! Ich... ich kann es nicht ertragen.”
Doch Jacks Griff verstärkte sich. Wie zur Bestätigung nahm er die zweite Hand hinzu und massierte Tony die verspannten Muskeln.
“Du brauchst keine Angst vor Nähe zu haben, Tony. Niemandem gegenüber. Und schon gar nicht mir.”
Vorsichtig drehte er ihn zu sich herum, bemüht den Mund zu einem Lächeln zu verziehen, ein Versuch, den er schließlich aufgab, als er die Aussichtslosigkeit erkannte, die darin lag.
Tonys Augen waren auf den Boden gerichtet, gerötet, voller Tränen.
Jack erschrak fast, als ihm plötzlich klar wurde, dass er diesen Mann bisher nie hatte weinen sehen. Tony war ihm immer wie ein Fels erschienen, jederzeit gefasst und unerschütterlich, ein Halt für ihn, der nicht nur einmal in Tonys Gegenwart vollkommen die Kontrolle verloren hatte.
Angefangen hatte es in diesem grauenvollen Augenblick, als Tony Teris blutigen Körper aus seinen widerstrebenden Armen gezogen hatte, Jack, gehalten hatte und gestützt, bis die Sanitäter kamen und ihn mit der ersten Spritze, die er je willkommen geheißen hatte, in seliges Vergessen katapultierten. Tony hatte nach Kim gesehen, hatte ihm in Mexiko den Rücken frei gehalten, ebenso wie in der Zeit danach. Sogar als er im Gefängnis saß, war Tony auf seiner Seite gewesen, hatte ihm geholfen, den Entzug durchzustehen.
Nun waren die Rollen vertauscht, von nun an würde er der Stärkere sein müssen, würde stark sein für sie beide. In dieser auswegslosen Lage, gefangen in einer Falle, aus der es kein Entrinnen gab, würde er den Kampf aufnehmen, der erst enden sollte, wenn sie beide tot waren.

Ein Laut wie ein Schluchzen entrang sich Tonys Kehle.
“Ich dachte, Michelle und ich, wir könnten, wir würden... .”
Er hob den Blick, sah Jack mit einem Ausdruck tiefer Verzweiflung in die blau schimmernden Augen.
“Was soll ich nur tun? Wie kann ich ihr nur sagen, dass sie fernbleiben muss von mir. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass sie... .”
“Tony! Tony!” Jack schüttelte ihn fast schon grob. “Fang nicht an, so zu denken. Du weißt es besser, du musst es besser wissen.”
Er beruhigte sich wieder, atmete tief ein und ließ die Luft in einem langen Zug wieder hinaus. “Zuerst einmal liegt es nicht in deiner Hand zu entscheiden, was Michelle tun wird oder was sie tun will. Und diese Sache ist nicht das Ende, nur ein weiteres Hindernis, das überwunden werden muss.”
Tony lachte bitter. “Ein Hindernis? Was weißt du schon? Dein Leben ist doch seit Jahren nichts anderes mehr als ein ständiger Tanz mit dem Tod. Was weißt du davon, wie es jemandem geht, dem sein Leben etwas bedeutet, jemandem, der vielleicht eines Tages Kinder haben, mit seiner Frau alt werden wollte... .“ Seine Stimme brach und er verbarg das blasse Gesicht hinter seinen zitternden Händen. Kurz entschlossen, langte Jack hinauf, fasste den größeren Mann um den Nacken und zog ihn zu sich, ließ es zu, dass Tony sich an ihn lehnte, streichelte seinen Hals, das dunkle Haar, wohl wissend, welche Bedeutung körperliche Nähe oder mehr noch das Fehlen derselben, in diesen Augenblicken, in denen der Schock noch tief und schwer in den Gliedern saß, haben konnte.
Endlich beruhigte sich Tonys fliegender Atem. Das Schluchzen, das ihn unaufhörlich geschüttelt hatte, verstummte. Tony löste sich aus der Umarmung.
“Es tut mir leid, Jack. Ich wollte nicht... .“
Jack winkte ab und brachte schließlich doch ein Lächeln zustande.
“Mach dir keine Gedanken, Tony. Jeder braucht das irgendwann.”
“Ich fühle mich schuldig.”
Jack schüttelte den Kopf. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, erfüllte sich mit Schmerz.
“Du hast dir nichts vorzuwerfen. Niemand kann etwas dafür. Niemand! Nicht einmal Nina!”
Tony fuhr sich durch sein Haar. “ Es hätte auch während der Operation passieren können, eine Blutkonserve... .”
Jack ergriff Tonys Handgelenk. “Es hätte jederzeit und überall geschehen können, wir haben es nicht unter Kontrolle. Das einzige, das wir tun können, ist damit zu leben.”
“Zu leben?” Tony riss sich los. “Wie soll ich so weiterleben? Wie kann ich so weiterleben? Was kann ich überhaupt noch tun?”
“Was ich auch tue, vorwärts gehen. Vorwärts, so lange und so weit, wie nur möglich.”
Tags: autor: callisto24 1-100, fandom: 24 1-100, fanfic, gen
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