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fanfic
Fanfic auf deutsch
Ich sage ja zu deutscher Fanfiction!
Fanfic 25 Antwort Thema Tiger 
15.-Apr-2006 02:45 pm
NZ - Sonnenuntergang
Titel: Evenings at Joe’s – Mach mir den Tiger!
Autor: Aisling
Fandom: Highlander
Personen: Methos, Amanda, Duncan, Joe
Pairing: Methos/OFC
Kategorie: Humor, Challenge-Antwort: Thema 20 Tiger
Inhalt: Joe berichtet von einem traumatischen Erlebnis.
Disclaimer: Leider gehört Highlander nicht mir sondern einzig und allein absolut und unwiderruflich Wyden, Panzer/Davis, Rysher, Miramax.
Dank: An Birgitt. Dafür, dass sie mich immer wieder mit Bunnys versorgt, sonst würde ich die Challenge nie schaffen.


„Los Joe! Jetzt bist du dran!“
Auffordernd sah Amanda den alten Mann an. Doch der versuchte, sich zu wehren.
„Was soll ich denn groß erzählen? Ich habe nicht ansatzweise so viel erlebt wie ihr!“
„Aber es gibt bestimmt ein besonders lustiges oder peinliches Erlebnis, das du beobachtet hast. Du brauchst ja keine Namen zu nennen.“
Amandas Blick wurde flehend. Wer konnte diesem Ausdruck widerstehen? Joe hatte jedenfalls große Probleme. Hilfesuchend sah er sich um, doch weder Duncan noch Methos schienen gewillt, ihm beizustehen. Ganz im Gegenteil.
„Wenn du dich weiter zierst, erzähle ich, wie du deinen ersten Job im Feldeinsatz vermasselt hast!“
„Das ist Erpressung, Methos!“
Gut, dass die Bar nur schwach beleuchtet war, denn sonst hätten die anderen erkennen können, dass Joe errötete.
„Stimmt, darin bin ich richtig gut.“
Kein Zweifel: Methos fasste Joes Kommentar als Kompliment auf.
„Wenn du das erzählst, musst du ein Bier ab sofort selber zahlen.“
„Dann suche ich mir eine andere Kneipe. Andere Wirte haben auch gutes Bier - und zivilere Preise. Und jetzt erzähl!“
Im Geiste schwor Joe blutige Rache. Es gab Ereignisse, an die er sich nicht gerne erinnerte – schon gar nicht, wenn Amanda in der Nähe war. Sie würde bestimmt keine Ruhe geben, bis sie die Story haarklein erzählt bekam. Ihr anzügliches Lachen hatte Joe jetzt schon im Ohr.
Und dann wusste er, was er erzählen konnte. Er setzte sich aufrecht hin und blickte seine Freunde nacheinander an.
„Gut, wie ihr wollt. Ich werde euch eine Geschichte erzählen, die etwas delikat ist. Aber erst brauche ich etwas zu trinken.“
Auffordernd hielt er Amanda das Glas hin, die es bis zum Rand mit Whiskey füllte. Joe trank einen Schluck.
Er wusste jetzt schon, dass in spätestens fünf Minuten eine ganz bestimmter Unsterblicher bereit war, einen Mord zu begehen, um ihn zum Schweigen zu bringen. Aber er hatte es herausgefordert.
„Es war im Jahr 1980 oder 1981. Ganz genau weiß ich es nicht mehr. Damals hatte man mich gebeten, bei der alljährlichen Beobachterhauptversammlung einen Vortrag zu halten. Da ich immer bis zur letzten Sekunde an meiner Rede feile und alles doppelt und dreifach recherchiere, konnte man mich nach meiner Ankunft in Paris fast immer in der Bibliothek antreffen. Dort gibt es mehr Bücher, als ich jemals auch nur durchblättern kann.“
„Was soll daran lustig oder peinlich sein? Ich finde es langweilig.“
Amanda liebte wertvolle alte Bücher, aber nicht um der Lektüre willen. Deswegen konnte sie auch Joes Leidenschaft nicht verstehen.
„Lass ihn doch. Er wird bestimmt gleich zum Punkt kommen.“
Dankbar nickte Joe Duncan zu. Er hatte diese Einleitung gewählt, um Methos – der sich bequem in seinem Stuhl zurückgelehnt hatte – in Sicherheit zu wiegen.
„Darf ich weitererzählen?“
Ein zustimmendes Nicken kam von allen Seiten.
„Ich war in der Abteilung des 19. Jahrhunderts und arbeitete mich durch einen Bericht über einen Unsterblichen, der auf einem englischen Dreimaster gegen Napoleon gekämpft hatte, als ich aus dem Nachbargang ein sehr anzügliches Lachen hörte. Da Neugier praktisch eine Grundvoraussetzung ist, um als Beobachter arbeiten zu können, legte ich das Buch zur Seite, um nachzuschauen, was auf der anderen Seite passierte.“
„Zwei Beobachter nutzen die Bibliothek für ein Stelldichein“, kam prompt Amandas Kommentar.
Duncan nickte zustimmend, während sich Methos gerade hingesetzt hatte und nun Joe mit einem warnenden Blick bedachte. Er schien zu ahnen, welche Geschichte jetzt erzählt wurde.
„Nicht ganz“, korrigierte Joe Amanda. „Madame Stephanè war zu der damaligen Zeit die Bibliothekarin. Sie wachte mit Argusaugen über ihre Bücher und es gab Gerüchte, dass sie in einem Hinterzimmer schlief, um ihre Schätze Tag und Nacht persönlich zu bewachen.“
Joe räusperte sich.
„Ich spähte also vorsichtig um die Ecke und sah Madame Stephanè in inniger Umarmung mit einem jungen Beobachter, den ich damals zum ersten Mal sah. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass die Bibliothekarin fast sechzig war? Sie trug immer ein Kostüm, das an ihr wie eine Rüstung wirkte, ihre Haare waren zu einem straffen Knoten am Hinterkopf zusammengefasst und eine Eule wäre stolz auf ihre Brille gewesen.“
Jetzt griff Joe zum Whiskey und trank einen Schluck, behielt aber die ganze Zeit Methos im Auge. Doch dieser hatte sich zurückgelehnt und wirkte, als ob ihn die Geschichte nicht wirklich interessierte.
„Da ich kein Spanner bin, zog ich mich diskret zurück und versuchte, mich wieder in mein Buch zu vertiefen. Doch die Geräusche aus dem Nebengang machten es unmöglich.“
„Ich dachte, dass ihr als Beobachter alles dokumentieren müsst“, Duncan prostete Jo zu.
„Einige meiner Kollegen haben sich ein Hobby daraus gemacht, Fotos aus dem Schlafzimmer zu machen und in die Biografien zu packen. Aber das ist nicht mein Stil. Solange im Schlafzimmer kein Schwertkampf stattfindet, interessiert es mich nicht, was dort abgeht.“
„Und was ist jetzt an dieser Geschichte nicht jugendfrei, Joe? Ich will Details hören.“
„Wie du willst, Amanda. Dein Wunsch ist mir Befehl.“
Auf diese Frau war Verlass. Joe hatte mit dieser Aufforderung gerechnet.
„Und was ist, wenn ich dir sage, dass du stirbst, solltest du jemals irgendwelche Details erzählen?“
Methos war doch auf die Geschichte angesprungen. Im Gegensatz zu seiner Aussage grinste er jedoch amüsiert. Deswegen glaubte Joe auch nicht, dass er die Morddrohungen wahrmachen würde.
Amandas verblüffter Blick, der zwischen Joe und Methos hin und her wanderte, war jedenfalls Gold wert.
„Methos, sag nicht, dass du mit der alten Dame…“ Duncan fand zuerst seine Sprache wieder.
„Warum nicht? Schließlich bin ich älter als sie.“
„Dann kannst dich ja gleich mit einer Mumie vergnügen. Die sind auch jünger.“
„Das ist Nekrophilie und ich mag nur frische Leichen, die nicht auseinanderfallen, wenn man sie berührt.“
Joe schluckte einmal trocken. Das war definitiv mehr Information, als er haben wollte. Aber da es nur Methos' Taktik war, um das Thema zu wechseln, zog er es vor, diesen Kommentar zu ignorieren.
„Zurück zur Geschichte: Joe, was für Geräusche hast du gehört?“
Amanda ließ auch nicht locker.
„Es war zuerst nur das Stöhnen von Madame Stephanè. Und der Rhythmus war wirklich ziemlich heftig. Doch dann…“ Joe zögerte und blickte zu Methos.
Der erwiderte den Blick.
„Los, erzähl weiter. Amanda wird sich freuen, wenn sie erfährt, wie du deinen ersten Einsatz vermasselt hast.“
„Das hättest du sowieso erzählt. Jedenfalls waren sie sehr heftig zugange, als Madame Stephanè Methos laut und deutlich aufforderte: ‚Mach mir den Tiger!’ Mir ist fast mein Buch aus der Hand gefallen, als das gehört habe. Als ich dann aber ein seltsames Knurren aus dem nderen Gang hörte, wusste ich nicht, ob ich lachen oder die Flucht ergreifen sollte.“
„Ich hätte es mir angesehen. Bestimmt habt ihr auch wertvolle Bücher in eurer Bibliothek und als Gegenleistung für mein Stillschweigen hätte mir Madame Stephanè nur das eine oder andere Buch ‚ausleihen’ müssen.“
„Das war auch meine Intention, Amanda“, war Methos' Kommentar. „Ich hatte im Regal ein Aufnahmegerät deponiert und ihre Geräusche beim Sex aufgezeichnet. Was glaubst du, warum ich versucht habe, keinen Ton von mir zu geben? Jedenfalls keinen, an den man mich hätte erkennen können. Anschließen habe ich sie gebeten, mir bestimmte Bücher für einige Tage zu überlassen, da ich das Band ansonsten weitergegeben hätte. Es war sehr frustrierend, dass sie zuerst nur gestöhnt und nichts gesagt hat.“
„So bist du also an die ganzen Chroniken gekommen. Ich habe mich schon immer gefragt, wie du es geschafft hast, so viele Daten zu manipulieren.“
Joe amüsierte es, mit was für einer simplen Methode die Beobachter ausgetrickst wurde.
„Und Madame Stephanè hat noch nicht mal Verdacht geschöpft. Sie dachte, dass es meine Wissbegierde war, die mich zu einem solchen Schritt getrieben hat.“
„War das denn euer einziges intimes Treffen?“
Amandas Neugierde war noch nicht gestillt.
„Meine Liebe, du fragst zuviel. In der Hinsicht bin ich ein Gentleman und schweige.“
„Du bist alles, nur kein Gentleman.“ Duncan, der bisher mehr beobachtet als gesagt hatte, mischte sich jetzt ein. „Deswegen wirst du uns doch sicher erzählen, wie Joe seinen Auftrag vermasselt hat.“
„Nein, werde ich nicht.“ Methos schüttelte den Kopf. „Das hebe ich mir für einen ganz besonderen Moment auf. Aber ich werde es erzählen, keine Sorge.“
Joe wusste, dass er dies nur betrunken ertragen konnte.
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